Abschlussbericht 29.10.2009 von Tobias Bünder
Ich schreibe diesen Bericht gut zwei Monate nach meiner Rückkehr in Deutschland. Seit Anfang September studiere ich in Maastricht Economics. Morgen fahre ich auf unser letztes Seminar unserer Gruppe, auf das ich mich schon seit Tagen freue!
Ich beginne allerdings vielleicht doch besser mit unserem Abschied aus Südafrika und der Zeit davor. Nach unserem letzten langen Urlaub im Juli war die Motivation noch einmal zurück an die Arbeit zu gehen doch etwas gesunken. Allen schwebte im Hinterkopf die baldige Rückkehr und die Erwartungen an das Leben wieder daheim. Trotzdem war das eine sehr schöne, sehr intensive Zeit im Kinderheim. Man konnte ziemlich entspannt an alles herangehen. Selbst wenn die Kinder es noch so probiert haben, man war einfach ruhiger. Ich habe meinen Schützlingen in dieser Zeit sehr viel durchgehen lassen.
Gleichzeitig war es eine Zeit, in der ich versucht habe meinen Abschied etwas vorzubereiten, so dass möglichst alles reibungslos weitergehen kann. Ich habe versucht speziellen Kindern klarzumachen, dass ich wieder nach Hause muss und dort auch erst einmal bleiben werde. Die meisten konnten, dass verstehen. Andererseits gab es ebenso welche, die es einfach nicht begreifen konnten. Besonders meinem besonderen kleinen Freund, Kutlwano, der leider fast taub ist und nur bruchstückhaft Setswana spricht, konnte ich es nicht vernünftig beibringen.
Gerade in diesen 3 Wochen ist einem noch einmal bewusst geworden, wie ambivalent die Beziehung zu den Kindern war. Einerseits habe ich mich unglaublich gefreut, sie nicht mehr jeden Tag um mich herum haben zu müssen. Andererseits sieht man nochmal wie viel einem diese Kinder geben. Zu manchem hatte ich einfach eine sehr enge Beziehung aufgebaut.
Kurz vor Ende ging es dann für alle DSJWler zum Debriefing Seminar. Eine gute Möglichkeit nochmal das Jahr zu evaluieren. Vor allem die Gespräche mit unseren Projektleitern waren sehr interessant und wichtig. Gleichzeitig war es schön, ein letztes Mal mit allen Freiwilligen zusammen zu kommen und ein paar Tage zu verbringen.
Im Heim zurück habe ich mich, außer um die Kids, auch darum gekümmert, dass mein Nachfolger mit mehr Wissen starten konnte als ich vor einem guten Jahr. Ich habe einen langen Brief mit allen wichtigen Infos zu Abläufen, Regeln usw. geschrieben und ein paar Zeilen zu jedem Kind aufgeschrieben. Versucht zu sichern, dass manche Dinge bei bestimmten Kids weitergemacht werden, wie Nachhilfe oder Einzelgespräche hier und da.
Der Abschied selber war dann sehr rührselig. An dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an das Kinderheim! Die Kinder und Mitarbeiter hatten eine große Show auf die Beine gestellt. Wir bekamen unglaublich viele Geschenke und ein riesiges Buffet danach. Sich von den Kindern selbst zu verabschieden war hart. Besonders als eben dieser Kutlwano es dann doch noch verstanden hat, dass ich gehe. Am Abend vorher hatte ich schon ein Auf Wiedersehen-Abend in meinem Haus gehabt. Es hat sich also alles lange hingezogen.
Unsere Ankunft in Deutschland war völlig problemlos. Einfach da wieder zurück wo man aufgehört hat. Am Flughafen wurden noch viele „sich-melden“-Schwüre gesprochen und dann ging es heim. Meine Familie wiederzusehen war sehr schön, einfach mich wieder in mein Bett zu legen und in unserem Garten zu sitzen, war schon ein gutes Gefühl. Abends hatten dann ein paar Freunde einen kleinen überraschungsgrill organisiert. Ich war ziemlich fertig und obwohl es echt nett von ihnen war, war es komisch. Es waren einfach einige dabei, die sich mit Meldungen dezent zurückgehalten haben über das Jahr. Das fand ich noch nicht mal schlimm, aber sie dann einfach wiederzusehen als ob nichts gewesen wäre, war einfach komisch.
Trotzdem war mein Leben wieder daheim sehr entspannend. Doch nach 2 Wochen war ich auch echt froh, dass mein Studium schon begann. Das war glaub ich auch das beste, um schnell wieder anzukommen. Die Fernwehsymptome, die uns auf dem Debriefingseminar beschrieben wurden, traten bei mir nur hier und da mal kurz auf. Was natürlich auch bei mir daran lag, dass Julian, ein Mitfreiwilliger, mit mir zusammen hier studiert. Ich konnte immer locker über letztes Jahr labern, wenn ich Lust hatte. Julian sehe ich auch weiterhin fast jeden Tag.
Kurzum, ich bedanke mich noch einmal bei allen die dieses Jahr möglich gemacht haben. Danke Frank, danke DSJW, danke weltwärts. Es war ein unglaublich gutes Jahr voller Erfahrungen für mich. Ich fühlte mich sehr gut begleitet und vorbereitet. Meine Arbeitsstelle war nun vielleicht nicht am Indischen Ozean, aber die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, haben das wieder wett gemacht! Südafrika als Land, habe ich liebgewonnen, versuche ständig Botschafter zu spielen. Ich versuche in Kontakt zu bleiben, habe schon ein paar Briefe ins Heim geschickt – leider noch keine Antwort erhalten. Mit einigen von meinen Mitfreiwilligen schreibe ich noch viel und freue mich jetzt morgen alle wiederzusehen.
Viele Gr&üuml;ße aus Maastricht, ich hoffe weltwärts geht noch einige Jahre so weiter.
Tobias Bünder