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Quartals- Bericht von Eva-Lotta Bueren

So, nun bin ich schon über drei Monate in Südafrika und die Zeit verfliegt wie im Fluge, denn jeder Tag ist neu und aufregend und in den drei Monaten habe ich schon so viel Spannendes erlebt, dass ich gar nicht weiß wovon ich anfangen soll zu erzählen, also am besten beginne ich am Anfang:
Am 16. August sind wir von Frankfurt aus nach Südafrika gestartet und als wir nach dem langen Flug auf dem Flughafen Johannesburg standen, kam es mir nicht so vor, als wäre ich wirklich in einem anderen Land und auf einem anderen Kontinent. Doch als wir uns dann in den Bus begaben und über die südafrikanische „Autobahn“ in Richtung Inyala Game Lodge unterwegs waren, war mir ziemlich schnell klar, dass ich weit weg von Zuhause war. überall sah man zusammen gequetschte Menschen auf Ladeflächen, Kinder die über die Fahrbahn liefen und einfach eine ganz andere Natur. Die krasseste Erinnerung ist jedoch die an Soweto, denn da sind wir auch auf unserem Weg vorbei gefahren und dieses Bild hat mich einfach echt geschockt, denn da habe ich zum ersten Mal das wirklich arme Südafrika gesehen…
All die brüchigen Blechhütten, Menschen die in dem restlichen Müll nach etwas Essbarem suchen, Kinder, Tiere und alles auf einem Fleck. Dieses Bild kann ich gar nicht richtig beschreiben, aber es hat mich sehr berührt und dann sind wir weitergefahren zur Inyala Game Lodge und dort habe ich dann genau das andere Bild Südafrikas kennen gelernt: tolle Natur, wahnsinnige Weite, Tiere, Ruhe…

Die Game Lodge war einfach wahnsinnig schön und das Seminar war genau das Richtige für die ersten Tage in Südafrika, denn wir haben viele Informationen bekommen über unseren Aufenthalt in Südafrika, die Kultur, mögliche Gefahren, etc. und trotzdem selbst viel erkunden können und so die unberührte Natur Südafrikas kennen gelernt.
Das Seminar war also ein Mix aus Informationen, gegenseitigem Kennenlernen und viel Freude.
Fast das Schönste war für mich, als Kinder aus dem Kinderheim und Mitarbeiter von Abraham Kriel Tänze aufgeführt und gesungen haben, da habe ich mich richtig drauf gefreut, endlich die Kinder kennen zu lernen und meine Arbeit zu beginnen.
Als es dann endlich zum Kinderheim losging, wurde mir jedoch immer mulmiger zumute und es wurde erst gut, als ich meine Kinder und meine Tannie gesehen habe, denn die haben mich alle so fröhlich begrüßt und ab da wusste ich, dass das Jahr klasse wird.
Seit diesem Tag arbeite ich nun also im Haus Immanuel, in dem dreiundzwanzig Mädchen leben. Ich arbeite dort zusammen mit Tannie Carina, die ist sozusagen die „Hauptkinderbetreuerin“ und einfach klasse. Carina hat nur zwei Wochen vor mir hier angefangen zu arbeiten, aber sie und ich sind einfach ein super Team, denn wir haben in vielen Dingen einfach die gleiche Einstellung und kommen richtig gut miteinender klar. Carina lebt in unserem Haus in einer kleinen Wohnung zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Mann und Hunden und Katzen. Carina ist einfach eine fröhliche, offene und nette Person und deshalb ist es mir leicht gefallen mich schnell einzugewöhnen und seit dem sieht mein Tagesablauf so aus:

  • 14 Uhr: Ich beginne zu arbeiten und die Kinder kommen von der Schule und essen dann schnell was.
  • 14:30 Uhr: Studytime, das heißt, die Kinder müssen für eine Stunde Hausaufgeben machen und ich sitze dabei, helfe, ermahne und gucke, dass auch alle wirklich Hausaufgaben machen und nicht z.B. Liebesbriefe schreiben oder Magazine lesen.
  • 15:30 Uhr: Die Kinder haben endlich Freizeit und die gestalte ich mit ihnen zusammen, das heißt wir spielen entweder Draußen Netball, Basketball oder etwas Anderes oder gehen schwimmen, spazieren oder machen im Haus etwas.
  • 17:00 Uhr: Meine kleinen Mädls müssen duschen gehen, meine Aufgabe besteht dabei, sie zu ermahnen endlich ins Badezimmer zu gehen und sich etwas zu beeilen, damit sie zum Abendessen fertig sind.
  • 17:30 Uhr: Abendbrotzeit, ich sitze dabei und schaue, dass alle sich benehmen und danach ihre Aufgaben machen, also Tische abwaschen, Spülen, Böden fegen, Geschirr abwaschen, Tische für den nächsten morgen decken, die Küche wischen und ihre restlichen Aufgaben machen.
  • 18:30-20:30 Uhr: Die Kinder haben Freizeit, dass heißt sie gucken Fernsehen, spielen Draußen oder im Haus, sitzen in ihren Zimmern und hören Musik oder quatschen, machen sich ihre Haare und vieles mehr und ich begleite sie dabei und passe auf, dass alles richtig läuft und sich keiner streitet, verletzt oder sonstigen Quatsch macht.
  • 20:30 Uhr: Bettzeit, ich bringe die Kinder ins Bett, lese noch Geschichten vor oder singe mit ihnen oder wir quatschen noch ein wenig.
  • 21:00 Uhr: Schlafenszeit, alle Lichter müssen aus sein und alle Kinder müssen ruhig sein und dann schlafen. Meine Aufgabe besteht darin, die Kinder zu ermahnen und zu gucken ob alles ruhig ist und ob es allen Kindern gut geht.

So sieht also mein normaler Tagesablablauf aus, obwohl man hier von „normal“ nicht wirklich sprechen kann, denn es passiert fast immer was Unvorhergesehenes, aber der Rahmen ist der eben beschriebene.
Tannie Carina und ich arbeiten immer zusammen bis auf die Zeiten von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, denn da wechseln wir uns wöchentlich ab und das sind dann für mich auch fast immer die anstrengendsten Zeiten, denn mit 24 Mädls allein zu sein ist manchmal echt heftig. Ich komme mit meinen Mädchen super klar, sie respektieren mich, hören auf mich und wir haben viel Spaß zusammen und sie sind mir einfach richtig ans Herz gewachsen, aber in den Abendstunden ist immer irgendetwas los.
Entweder gibt es Streit, dann wird mit den Türen geknallt oder irgendwer rastet aus oder es geht den Mädls nicht gut und ich muss Krankenschwester spielen…aber nach dem Stress am Abend gehen sie dann auch ohne große Reibereien ins Bett und dann habe ich frei. Zu der Arbeit unter der Woche kommt dann noch die Night Duty am Wochenende, das heißt, ich arbeite jedes zweites Wochenende von Freitags abends 20:00 Uhr bis zum nächsten morgen um 8:00 Uhr und am Samstag dann noch mal das gleiche. Diese Arbeit ist aber eigentlich echt nett, da man mit den Mädls dann immer schöne DVD´s gucken kann und sie eigentlich um 22:00 Uhr schlafen und ich dann auch pennen kann, also eigentlich muss ich nur da sein, wenn was passiert.

Zu der Arbeit in meinem Haus kommt noch die Arbeit im Kinderheim sonst, das heißt z.B. die Arbeit im Snoepie oder im Youth Club.
Der Snoepie ist ein kleiner Kiosk in dem sich die Kinder von ihrem Taschengeld Airtime, Süßigkeiten oder etwas Zutrinken kaufen können. Im Snoepie kommt man in Kontakt mit vielen Kindern aus den anderen Häusern und das ist immer witzig und interessant.

Dann ist da noch der Youth Club, dieser ist gestaffelt in drei Altersgruppen:7-11 Jahre, 12- 14 jahre und 15-20 Jahre. Für die sieben bis elf Jährigen machen wir viele Spiele und Aktionen, für die zwölf bis vierzehn Jährigen machen wir Spiele und lassen sie kickern, tanzen etc. und für die Großen, also die fünzehn bis zwanzig Jährigen mache wir einfach Disko, das heißt die Kinder tanzen wie wild und freuen sich einfach mal einen normalen gemischten Abend zu haben, also Jungs und Mädchens zusammen.

Die Arbeit macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß und obwohl die Arbeit manchmal sehr anstrengend sein kann, weil diese Kinder hier einfach aus schwierigen Verhältnissen kommen und so manchmal nicht wissen, wie sie mit bestimmten Gefühlen umgehen sollen und dann überreagieren und man dann schnell reagieren muss, um die Situation in den Griff zu bekommen , weiß ich doch warum ich die Arbeit so gerne mache, denn man bekommt einfach wahnsinnig viel zurück.
Denn jeden Tag wenn ich meine Arbeit beginne, kommen Kinder auf mich zugestürmt und umarmen mich und sind fröhlich und diese Fröhlichkeit stecht an, so dass ich oft vergesse, was die Kinder eigentlich schon Schreckliches erlebt haben und so freue ich mich einfach, dass es ihnen so gut geht und mir somit auch.
Wir erleben viele schöne Dinge zusammen und mit jedem Tag habe ich das Gefühl, dass ich den Kindern näher komme und sie mich mehr respektieren. Natürlich gibt es auch immer wieder schwierige Situationen und die wird es bestimmt auch noch in neun Monaten geben und damit habe ich mich abgefunden, denn ich glaube, dass die Kinder ein Recht haben manchmal auch einfach anstrengend und störrisch zu sein, denn die meisten Kinder haben einfach eine krasse Vergangenheit, so dass es „unnormal“ wäre, wenn sie „normal“ wären. Ich werde zwar weiterhin dagegen angehen, dass sie sich regelmäßig beklauen, streiten und sonst wie ärgern, aber ich habe durch die Arbeit hier einfach gelernt, besser zu verstehen warum sie das machen und so werde ich nun meine Zeit darein investieren mit ihnen zu üben, sich anders zu benehmen.

Durch die Arbeit mit den Kindern lerne ich auch viel für oder über mich selbst, z.B. konsequent bleiben, immer über das nachzudenken was man tut oder sagt, eigene Stärken sehen und auch Schwächen, kreativ werden…

Durch die Arbeit im Kinderheim und den Kontakt zu den Mitarbeitern des Kinderheims lerne ich generell die südafrikanische Kultur gut kennen, denn die nehmen uns oft zu Veranstaltungen, ihren Familien, etc. mit und da bekommt man einfach einen super Eindruck, denn es wird immer gesungen, getanzt und durch Gespräche lernt man viel über die Denkweisen und Einstellungen der Menschen in Südafrika. Zudem kommen natürlich noch die Reisen, die man während seiner Urlaubszeit machen kann, in denen man immer noch ganz andere Seiten Südafrikas kennen lernt.

Also, wie man hoffentlich hören konnte, geht es mir wirklich wunderbar, denn die Arbeit mit den Kindern ist einfach toll, die Menschen in unserem Umfeld sind klasse und das Land ist total spannend.

Für mich ist das hier einfach eine wahnsinnig gute Erfahrung, denn ich lerne viel über mich, die Geschichte dieses Landes, die Menschen, die Kultur und über Kinder in allen Lebenslagen ☺

Dann erstmal TOTSIENS,
liebe Grüüszlig;e aus dem schönen Südafrika, Eva-Lotta oder Miss Lotti ☺